Die Frage nach der Form und die Unterstellung eines Gemeinsamen

Der Augenblick der Wahrheit

Ich initiiere ein Schauspieltraining. Ein Freund, mit dessen Teilnahme ich gerechnet habe, signalisiert mir, er hat kein Interesse daran. Der Grund dafür: die Form interessiere ihn nicht.

Im Interesse an freier, künstlerischer Zusammenarbeit treffen wir uns. Ein paar gemeinsame Projekte können wir realisieren, viele Impulse verhallen aber in einem klanglosen Raum. Ist dieser Raum nicht so klanglos, wie er scheint? Fehlen mir für dessen Frequenz möglicherweise nur die Ohren?

Synchronisation

Zusammenarbeit braucht Synchronisation. Was er tut, was ich tue- unsere Wege müssen sich treffen, einige Zeit in Kontakt bleiben. Für die freie, künstlerische Zusammenarbeit brauchen wir eine Form. Eine, in der er und ich uns mit unseren Fragen wiederfinden können, eine, durch die sein Weg hindurchführt und meiner auch. Der Impuls kommt von mir, ich unterstelle aber, dass er einem Gemeinsamen entspringt, auf das wir uns beide beziehen. Und dann die Absage: Die Form interessiert ihn nicht.

Klanglos verhallt?

Ideen verwirklichen sich selbst und Ideale kann man nicht realisieren, man kann sie nur als Horizont vor sich haben. Auf diese Gedanken machte mich ein anderer Freund aufmerksam. Denken kann ich die Idee, doch wird meine Denken, als Organ der Auffassung, getrübt sein durch Gedankenfehler. Das Leben, oder in meinem Fall die desinteressierte Reaktion meines Freundes, zeigen mir, dass ich mich wohl geirrt habe. Das Schauspieltraining, welches ich initiierte, findet keine Resonanz in dem Ideal von “freier, künstlerischer Zusammenarbeit” in dem wir uns treffen. Das stumme Verhallen meines Impulses zwischen uns macht mich zwar traurig, gleichzeitig regt es mich aber zum Nachdenken an.

Die Klanglosigkeit erlebte ich- schon bevor ich initiativ wurde. Der Impuls, ein Schauspieltraining zu initiieren, war meine Antwort auf diese Klanglosigkeit. “Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück”. Möglich. Für mich ist es ein Spielen mit den Variablen, mit dem Bekannten, dem Gegebenen. Es geht mir nicht um die spezielle Form. Es ist wie mit der Phantasie, ich spiele herum, bis etwas Neues auftaucht. Oder wie Picasso sagt, “ich suche nicht, ich finde”, oder eben nicht. Nur so kann ich meine Gedankenfehler entdecken.

“Durch den Nebel, taste ich mich dem Horizonte zu”, so könnte es poetisch klingen, indem ich mich, im Sinne Picassos, “vom Ziele ziehen lasse, anstatt es selbst zu bestimmen”. Ob es stattfindet, das Schauspieltraining, oder nicht, vielleicht ist es eine Formfrage? Eine Frage der Kommunikationsform? Ich weiss es nicht. So wie Picasso malt, mit dem Pinsel auf dem Papier findet, indem er tut, ohne vorher zu wissen, so ähnlich erlebe ich es im Leben, wenn ich initiativ werde. Es zeigt sich mir erst später, was es war. Oder: ich treffe es hinter der nächsten Ecke wieder. Solange vielleicht, bis ich Ohren habe zu hören, was die Klanglosigkeit in sich trägt.

Was denkst Du- liebe/r Leser/in- darüber?


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